Krankenhaus-Spitze, Politiker und Patientenbeauftragter Laumann rückten Themen Pflegepersonal und Krankenhaus-Finanzierung in Fokus

„Bedingungen sind unerträglich“

Auf von Jörg Blöming (6.v.l.) war Karl-Josef Laumann (8.v.l.), Patientenbeauftragter der Bundesregierung, zu Gast im Dreifaltigkeits-Hospital.
Auf von Jörg Blöming (6.v.l.) war Karl-Josef Laumann (8.v.l.), Patientenbeauftragter der Bundesregierung, zu Gast im Dreifaltigkeits-Hospital.
Über die aktuelle Situation im Pflegebereich und die finanzielle Lage der Krankenhäuser in NRW diskutierten Betriebsleitung und Verwaltungsrat des Dreifaltigkeits-Hospitals mit dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU). Er war auf Einladung des heimischen CDU-Landtagskandidaten Jörg Blöming nach Lippstadt gekommen. Zwischen Erbsensuppe und Andacht gestaltete sich eine intensive Diskussion zwischen Geschäftsführer Prof. Dr. Volker de Vry, Staatssekretär Laumann, Pflegedirektor Karl-Heinz Schmitz und Lippstadts Bürgermeister Christof Sommer und Landtagskandidat Jörg Blöming.

Einig waren sich alle über das Sorgenkind „Pflegepersonal“. Arbeitszeit- und Leistungsverdichtung sowie Entlohnung führten zu einer negativen Entwicklung in einem typisch „weiblichen Beruf“. Diese Berufsgruppe sei rund um die Uhr im Dienst. „Die Arbeitsbedingungen aber sind unerträglich. Um Fachpersonal zu bekommen, müssen diese attraktiver werden“, so Laumann. Waren es früher rund 1000 Bewerber im Jahr, so sind es heute nur noch 500“, verdeutlichte Schmitz. Angesichts der Entwicklung fehle es in den kommenden Jahren an 20.000 Kräften.

Mit der eigenen Krankenpflegeschule - hier wird u.a. der neue Berufszweig des Operationstechnischen Assistentin angeboten - und Veranstaltungen versuche man, Nachwuchs zu gewinnen. 420 Schwestern und Pfleger auf elf Stationen, im OP und der Notaufnahme seien einfach zu wenig. Viele driften ab in andere Berufszweige. Trotz der Verlagerung auf mehr Diagnostik und Therapie und der Einstellung von Hilfskräften sei examiniertes Personal unablässig - zumal aufgrund des sofort gültigen Beschäftigungsverbotes von Schwangeren ad hoc personelle Engpässe aufgefangen werden müssten. Die Pauschale von 500 Millionen Euro für Krankenhäuser in NRW sei zu wenig. Laumann plädierte dafür, in den Krankenhäusern die Strukturen zu überarbeiten. Ob Fallpauschale, Patientenströme oder Bedarfspläne: „Die Zusammenarbeit mit Krankenkassen und politischen Verwaltungsträgern müssen ein faires Spiel bleiben.“

Bürgermeister Sommer bat um eine unverschleierte, saubere Mittelzuweisung von Landesgeldern an die Kommunen. Weiterhin stellte Laumann die Frage nach einer verbesserten Altersmedizin in den Raum. Innerhalb des lokalen Krankenhausverbundes und den hauseigenen Schwerpunkten funktioniere die Kooperation sehr gut, so de Vry. Bei aller oft schwer kalkulierbaren Wirtschaftlichkeit sehe sich das Dreifaltigkeits-Hospital immer auch dem christlich-menschlichen Grundsatz verpflichtet, dem Menschen zu helfen.

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