„LEP gefährdet Wachstum am Paderborn-Lippstadt Airport“

Jörg Blöming erhielt Einblick in täglichen Balanceakt eines Flughafenbetriebes

Der „Heimatflughafen“ Paderborn-Lippstadt hat eine gute Zukunft, wenn er politisch und auch finanziell stärker unterstützt würde. Das meinen (v.l.) Dr. Marc Cezanne, Jörg Blöming und Roland Hüser.
Der „Heimatflughafen“ Paderborn-Lippstadt hat eine gute Zukunft, wenn er politisch und auch finanziell stärker unterstützt würde. Das meinen (v.l.) Dr. Marc Cezanne, Jörg Blöming und Roland Hüser.

Die Auswirkungen des von der regionalen Wirtschaft oft bemängelten Landesentwicklungsplans (LEP) bekommt auch der heimische Airport Paderborn-Lippstadt zu spüren. „Mittelständische Betriebe etwa können sich am Flughafen-Campus nicht ansiedeln oder erweitern“, verdeutlichten Geschäftsführer Dr. Marc Cezanne und Prokurist Roland Hüser beim Rundgang mit dem heimischen CDU-Landtagskandidaten Jörg Blöming. Der sagte der Geschäftsleitung zu, dass er sich vehement für die Überarbeitung des LEP - auch mit Blick auf die Stärkung des lokalen (über die Region hinaus bedeutsamen) „Heimathafens“ - einsetzen werde. Dieser bekommt ungleich der Nachbarflughäfen wie Kassel-Calden oder Dortmund, die maßgeblich durch das Land Hessen bzw. die Stadtwerke finanziert werden, keine Zuwendungen. Er trägt sich bis auf die üblichen Ausgleichsfinanzierungen komplett selbst.

„Das Einzugsgebiet des Flughafens mit rund 5,5 Mio. Einwohnern in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Deutschlands ermöglicht deutlich mehr als die 700.000 Passagiere, die in 2016 von Paderborn/Lippstadt gereist sind“, so Cezanne. Zu einem dauerhaften Wachstumskurs zurückzukehren sei eine enorme Herausforderung. Einerseits sind sich Geschäftsführung und Aufsichtsrat einig, dass Wachstum am Heimathafen nur sinnvoll ist, wenn dieses kostendeckend erfolgt und nicht durch den Steuerzahler finanziert wird. „Andererseits sind die hohen Fehlbeträge mancher Konkurrenzflughäfen ein Beleg für offensichtlich nicht kostendeckende Entgelte. Diese locken Low Cost Airlines an, die mit niedrigen Ticketpreisen Passagiere von wirtschaftlich nachhaltig arbeitenden Flughäfen abziehen.“

Vor diesem Hintergrund sei es umso erfreulicher, dass erst diese Tage mit Eurowings und Niki zwei neue Mallorca-Linien an den Start gegangen sind und neben Thomas Cook die Balearen-Insel bedienen. Darüber hinaus wurde der Anschluss an Frankfurt und damit gemeinsam mit München an zwei weltweite Drehkreuze der Lufthansa ermöglicht. Mit der Stationierung von drei Flugzeugen der deutschen Fluggesellschaft Small Planet, die im Auftrag der großen Reisekonzerne TUI und Thomas Cook operieren, ist der Heimathafen in der Touristik zukunftsfähig aufgestellt. Seit 2016 ist man neuester deutscher Standort der Lufthansa-Cargo für weltweite Frachttransporte. Mehrere kleinere Fluggesellschaften für sog. ad hoc-Frachten, wie etwa Automobil-Ersatzteile, ergänzen das Cargo-Angebot.

In der ehemaligen Air Berlin-Werft hat sich ein neues Wartungs- und Instandhaltungsunternehmen für große Verkehrsflugzeuge entwickelt, das expandieren möchte, um auch Langstreckenflugzeuge instand halten zu können. „Ihm aber sind aufgrund des LEP die Hände gebunden“, so Cezanne über einen Plan, der die Entwicklung einer starken Wirtschaftsregion verhindere. „Dabei haben wir hier entgegen der Großstadt-Flughäfen große Wachstumsreserven“.

Am Airport Paderborn-Lippstadt sind 250 Mitarbeiter bei der Flughafengesellschaft beschäftigt, am Campus insgesamt sind es 1600. Entlang des Rollfelds haben sich Hangars für Privatjets von großen Unternehmen („Die sind voll ausgelastet“), die Feuerwehrhalle und der öffentlich zugängliche Quax-Hangar angesiedelt. Dort haben bereits große Sommerkonzerte stattgefunden. Darüber hinaus findet in diesem Jahr erneut die Wirtschaftsmesse „Gate“ statt,  die wieder tausende Besucher an den Flughafen ziehen wird. Überlegungen über eine Erweiterung der hierfür zur Verfügung stehenden Gebäudekapazitäten sind im Lichte des LEP derzeit auf Eis gelegt.

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