Atempause in der Wahlhektik

Über die Themen Patientenverfügung und Stammzellenforschung referierte der Fachmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach

Wolfgang Bosbach MdB
Wolfgang Bosbach MdB
„Leidenschaft und Sachverstand“ habe Wolfgang Bosbach in die Diskussion von Stammzellenforschung und Patientenverfügung im Bundestag eingebracht, rief der CDU-Kreisvorsitzende Bernhard Schulte-Drüggelte MdB eingangs in Erinnerung. Wie engagiert sich sein Parlamentskollege, stellv. Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, mit dem Bereich auseinandersetzt, das erlebten rund 80 Besucher im Welcome-Hotel in Lippstadt, wo Bosbach auf Einladung der Kreis-CDU über diese Themen referierte. Eine in hektischen Wahlkampfzeiten „ungewöhnliche Veranstaltung“, wie der Rechtsanwalt aus Bergisch Gladbach selbst meinte.


Aber er begrüße es, einmal innezuhalten bei Themen, die für Staat und Bevölkerung von fundamentaler Bedeutung seien.Gerade seine Partei, betonte Bosbach, die das „C“ aus Überzeugung trage und auf einem einheitlichen Wertefundament stehe, sei zu einer christlichen Politik aufgefordert. Was nicht bedeute, das alle immer der gleichen Auffassung seien. „Das ist aber kein Drama.“
Die Meinungsvielfalt in der Bevölkerung spiegele sich ebenfalls in der CDU wider. Es gelte, auch bei moralisch-ethischen Fragen die Argumente auszutauschen, abzuwägen und den besten Weg zu finden.
In einem leidenschaftlichen Vortrag mit vielen Beispielen auch aus seinem ganz persönlichen Erleben spannte Bosbach einen weiten Bogen ethischer Fragestellungen, beginnend mit der Fristenlösung beim Schwangerschaftsabbruch. Dass der Staat hier allein mit dem Strafgesetzbuch nicht weiterkomme, sei mittlerweile klar. Weshalb die frühkindliche Betreuung stark ausgebaut werde, in der Erwartung, den Frauen das „Ja“ zum Kind zu erleichtern. Immer würden kranke Embryonen auch nach der zwölften Woche noch getötet, bedauerte der CDU-Politiker, der selber sehr gut nachvollziehen kann, in welche Gewissenskonflikte Eltern schnelle geraten. Seine zweite Tochte Nathalie sei ein so genanntes Sorgenkind gewesen. Bei der dritten Schwangerschaft seiner Frau habe man deshalb auch in Erwägung gezogen, untersuchen zu lassen, ob dieses Kind eventuell auch krank sein könnte. Doch schließlich habe man davon Abstand genommen - Viktoria kam schließlich als kerngesundes Baby zur Welt.
Beim Thema Stammzellenforschung sprach sich der Politiker eindeutig gegen eine „Verzweckung menschlichen Lebens zu Forschungszwecken“ aus. Eine Verschiebung des im Stammzellgesetz festgelegten Stichtags führe letztendlich zur Aufhebung der vom Parlament festgelegten Vorgaben, befürchtet er.
Ausführlich ging der Referent auf die Patientenverfügung ein und gab den aufmerksamen Zuhörern viele praktische Ratschläge mit auf den Weg. Anhand mehrerer Beispiele wurde deutlich, dass das Thema schwieriger ist, als viele glauben.
So berichtete der Jurist von einer 40-jährigen Mutter, die nach einer eigentlich unproblematischen Brust-Operation ins Koma fiel, lebenserhaltende Maßnahmen für einen solchen Fall aber per Patientenverfügung untersagt hatte. Diese Situation war von der Patientin - sie ist mittlerweile dank ärztlichen Eingreifens wieder wohlauf - nämlich nicht vorausgesehen worden.
Bosbach riet seinen Zuhörern, die sich nach dem Vortrag zahlreich an der Diskussion beteiligten, die Vorwegentscheidungen für medizinische Eventualfälle in der Zukunft genau zu überlegen, sich mit einem Arzt zu beraten, die Patientenverfügung nicht nach einem Ankreuzschema, sondern mit eigenen Worten zu verfassen und dabei auch Gefühle zu artikulieren, damit der Wille möglichst genau nachvollzogen werden könne. Wichtig sei zudem, die Verfügung regelmäßig daraufhin abzuklopfen, ob sich Situationen - etwa durch Fortschritte in der Medizin - geändert hätten. Und schließlich sei zu beachten, das Papier auffindbar abzulegen.
Der Politiker selbst hat übrigens kein solches Schriftstück verfasst, sondern seine 13 Jahre jüngere Frau für den Fall der Fälle als Betreuerin bestellt. Sie soll in seinem Sinne dann die notwendigen Entscheidungen treffen.
Ganz ohne Wahlkampf ging es dann kurz vor der Bundestagswahl natürlich auch bei dieser Informationsveranstaltung nicht. Bernhard Schulte-Drüggelte appellierte an die Zuhörerinnen und Zuhörer, sich möglichst für die Union zu entscheiden, damit so engagierte wie kompetente Fachleute wie Wolfgang Bosbach in Berlin weiter mitentscheiden könnten.

 

Quelle: Der Patriot


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